| lyric | 1. Sie sagten, er käme von Nürnberg her und er spräche kein Wort. Auf dem Marktplatz standen sie um ihn her und begafften ihn dort. Die einen raunten: „Er ist ein Tier“, die anderen fragten: „Was will der hier?“ Und daß er sich doch zumTeufel scher’. „So jagt ihn doch fort, so jagt ihn doch fort!“
2. Sein Haar in Strähnen und wirre, sein Gang war gebeugt. „Kein Zweifel, dieser Irre ward vom Teufel gezeugt.“ Der Pfarrer reichte ihm einen Krug voll Milch, er sog in einem Zug. „Er trinkt nicht vom Geschirre, den hat die Wölfin gesäugt!“ 3. Mein Vater, der in unserem Ort der Schulmeister war, trat vor ihn hin, trotz böser Worte rings aus der Schar; er sprach zu ihm ganz ruhig, und der Stumme öffnete den Mund und stammelte die Worte: „Heiße Kaspar“. 4. Mein Vater brachte ihn ins Haus, „Heiße Kaspar“! Meine Mutter wusch seine Kleider aus und schnitt ihm das Haar. Sprechen lehrte mein Vater ihn, lesen und schreiben, und es schien, was man ihn lehrte, sog er in sich auf— wie gierig er war! 5. Zur Schule gehörte derzeit noch das Uttinger Feld, Kaspar und ich pflügten zu zweit, bald war alles bestellt; wir hegten, pflegten jeden Keim, brachten im Herbst die Ernte ein, von den Leuten vermaledeit, von deren Hunden verbellt. 6. Ein Wintertag, der Schnee war frisch, es war Januar‚ Meine Mutter rief uns: „Kommt zu Tisch, das Essen ist gar!“ Mein Vater sagte: „…Appetit“, ich wartete auf Kaspars Schritt, mein Vater fragte mürrisch: „Wo bleibt Kaspar?“ 7. Wir suchten, und wir fanden ihn auf dem Pfad bei dem Feld. Der Neuschnee wehte über ihn, sein Gesicht war entsteht, die Augen angstvoll aufgerissen, sein Hemd war blutig und zerrissen. Erstochen hatten sie ihn, dort am Uttinger Feld! 8. Der Polizeirat aus der Stadt füllte ein Formular. „Gott nehm’ ihn hin in seiner Gnad“, sagte der Herr Vikar. Das Uttinger Feld liegt lang schon brach, nur manchmal bell’n mir noch die Hunde nach, dann streu ich ein paar Blumen auf den Pfad, für Kaspar. |